Der Ablauf des Zufalls

Wie wird man Zufallsbürger in einem Gremium, das eine große Herausforderung unserer Zeit bearbeitet? Das erklärt eine Dokumentation des Nationalen Begleitgremiums (NBG), die den durchgeführten Auswahlprozess vorstellt.

bipar - Beteiligung - Partizipation Foto: Dennis Skley via flickr.com, Lizenz: CC BY-ND 2.0

Aleatorik bzw. die Zufallsauswahl ist ein möglicher Auswahlmechanismus bei Beteiligungsverfahren. Mit ihm wird vor allem die Hoffnung verbunden, möglichst vielfältige Meinungen in einem Verfahren zu berücksichtigen. Während bei offenen Prozessen eine Selbstselektion stattfindet, werden bei aleatorischen Verfahren mögliche Teilnehmer zufällig aus einer Grundgesamtheit ausgewählt und kontaktiert. Erst dann entscheiden sie über eine aktive Teilnahme. So soll einer Überrepräsentation beteiligungsaffiner Gruppen entgegengewirkt werden.

Das Beispiel des Partizipativen Reallabors

Eine bekannte Beteiligungsmethode, die bereits seit Längerem die Zufallsauswahl einbindet, ist das Partizipative Reallabor, das seinen Ursprung in der Idee der Planungszelle hat. Es strebt in einem mehrtägigen Verfahren einen intensiven Dialog zwischen beteiligten Bürgern und involvierten ökonomisch-technischen, politisch-administrativen bzw. ökologischen Interessen an. Ergebnis des Prozesses ist ein Bürgergutachten, das Handlungsempfehlungen enthält.

Zufallsbürger im Nationalen Begleitgremium

Auf Bundesebene hat die Zufallsauswahl jüngst ebenfalls Anwendung gefunden. Bekanntlich sucht Deutschland ein Endlager für die Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe. In einem langen und komplexen Verfahren sollen nach und nach anhand von diversen Kriterien Regionen aus dem Verfahren ausscheiden, sodass schließlich der Standort mit der bestmöglichen Sicherheit verbleibt.

Ein wichtiges Gremium innerhalb dieses Prozesses ist das Nationale Begleitgremium. Es hat den gewichtigen Auftrag, die Gemeinwohlorientierung des Verfahrens sicherzustellen. In ihm sind neben mehreren Experten auch drei Bürger vertreten, wobei einer die junge Generation repräsentiert. Alle drei wurden durch ein „zufälliges” Auswahlverfahren ermittelt. Dass es sich dabei um ein komplexes Verfahren handelt, wurde bereits in den Interviews mit den NBG-Mitgliedern Bettina Gaebel und Jorina Suckow deutlich.

Nun ist auf der Seite des NBG eine Dokumentation des im vergangenen Jahr durchgeführten Prozederes veröffentlicht worden, die detailliert den Auswahlprozess beschreibt. Der Bericht ist nicht nur mit Blick auf die Endlagersuche interessant. Er liefert auch allgemein interessante Einblicke in die Methodik. Es werden u. a. das Vorgehen und die Ergebnisse des Auswahlverfahrens detailliert dargestellt. Während Stichproben sonst häufig auf Basis von Daten des Einwohnermeldeamtes gezogen werden, wurde aus Zeitgründen im vorliegenden Verfahren eine Auswahl mittels Festnetz- und Mobilfunknummern durchgeführt. Interessant sind dabei die Ausführungen zur Grundgesamtheit, der Antwortquote sowie der Teilnahmebereitschaft. Laut Studie wurden 117.266 Anschlüsse mindestens einmal angerufen. Daraus resultierten 69.186 Gespräche, wobei 26.193 Personen direkt ihre Bereitschaft zur Mitwirkung an einem Bürgerforum verweigerten. Nur 571 Konsultierte bekundeten Mitwirkungsinteresse oder auch 0,8 %. Dabei überwogen männliche Befragte über 50 Jahre, wohingegen sich insbesondere die Ansprache der jungen Generation schwierig gestaltete (S. 8f.).

Im Anschluss an die Ausführungen zum methodischen Design gibt die Dokumentation interessante Einblicke in die Arbeit der fünf Bürgerforen sowie des -netzwerks und die Erarbeitung der Bürgerempfehlungen.

Download der Dokumentation: Auswahl von Bürgervertreter/innen für das Nationale Begleitgremium zum Standortauswahlverfahren für ein Endlager für insbesondere hoch radioaktive Abfälle