ThinkTank für Partizipation: So wird er arbeiten

Seit Anfang 2017 diskutiert eine wachsende Gruppen von Partizipationsinteressierten die Gründung eines Thinktanks zur Weiterentwicklung der Partizipationskultur in Deutschland.

Nach zahlreichen Gesprächen, Workshops und einem umfangreichen Online-Diskurs (Kurze Chronologie) liegt aktuell ein Konzept für eine Umsetzung in Form eines “Instituts für Partizipation” vor, dessen aktuellen Stand wir hier dokumentieren. Das Dokument kann auch als PDF heruntergeladen werden.

Ausgestaltung des geplanten Thinktanks für Partizipation

Stand: Juli 2017

Name und Sitz

Der Thinktank wird als „Institut für Partizipation“ in Berlin begründet. Die volle Schreibweise lautet „Berlin Institut für Partizipation“, die Abkürzung „bipar“.

Rechtsform und Trägerschaft

Das Berlin Institut für Partizipation wird zunächst in rechtlicher Trägerschaft der Deutschen Umweltstiftung als eigenständiges Institut mit eigenem Haushalt gegründet.

Nach der Gründungsphase wird langfristig eine institutionell unabhängige, eigenständige Rechtsform angestrebt.

Arbeitsaufnahme

Das Berlin Institut für Partizipation nimmt seine Tätigkeit zum 1. August 2017 auf. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.

Aufgabe und Motivation

Das Berlin Institut für Partizipation versteht sich als advokativer Thinktank für Partizipation in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Ziel des Instituts ist eine Weiterentwicklung der partizipativen Kultur insbesondere in Deutschland. Die Initiatoren des Instituts sind davon überzeugt, dass die Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit der repräsentativen Demokratie entscheidend davon abhängt, wie es dieser gelingt, die Menschen in unserem Land nachhaltig und umfassend an der politischen Willensbildung zu beteiligen.

Der Arbeitsschwerpunkt des Instituts liegt zunächst im nationalen Kontext, europäische und internationale Erfahrungen fließen jedoch in dessen Arbeit ein. Mittelfristig wird eine Zusammenarbeit mit vergleichbaren Akteuren im internationalen Kontext angestrebt.

Arbeitsschwerpunkte

Das Berlin Institut für Partizipation versteht sich nicht als Konkurrenz zu etablierten Strukturen in Wissenschaft, Forschung und Beratung, sondern als Ergänzung und Transporteur von Themen, Erkenntnissen und Anliegen. Es pflegt sowohl intern als auch extern eine kollaborative Arbeitsweise und lädt alle Interessierten zu aktiver Mitwirkung sowie alle im Bereich Partizipation tätigen Institutionen und Verbände zu partnerschaftlichen Zusammenarbeit ein.

Das Institut konzentriert seine Aktivitäten zunächst auf drei Arbeitsschwerpunkte:

  • Information
  • Konsultation
  • Evaluation

Information

Das Institut betreibt umfangreiche Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu allen Fragen der Partizipation. Hierzu gehören u. a.

  • Der Betrieb einer frei zugänglichen Online-Plattform für alle, die sich für Partizipation und Bürgerbeteiligung interessieren. Diese Plattform bietet Fachartikel und aktuelle Nachrichten zur Theorie und Praxis der Partizipation, umfangreiche Literaturhinweise, sowie Methoden- und Dienstleisterdatenbank.
  • Publikation von Fachartikeln, Studien und Broschüren zu einzelnen Aspekten der Partizipation.
  • Herausgabe eines Fachinformationsdienstes für Beteiligungsmanager in Kommunen sowie auf Länder- und Bundesebene.
  • Herausgabe des KURSBUCH BÜRGERBETILIGUNG als regelmäßige Publikation zur Standortbestimmung der gesellschaftlichen Partizipationskultur.
  • Aufbau eines anbieterunabhängigen Branchenportals mit der Möglichkeit, gezielt nach passenden Anbietern für Partizipationsdienstleistungen zu suchen.
  • Aufbau einer zentralen Dokumentationsstelle für abgeschlossene Beteiligungsverfahren als Service für Beteiliger und Forschende.

Konsultation

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Instituts wird die unabhängige Politikberatung sein.
Sie soll Entscheider in Politik, Verwaltung, Verbänden und Wirtschaft für mehr Beteiligung begeistern und sie dabei unterstützen, diese erfolgreich umzusetzen.

Dazu gehören u. a. folgende Aktivitäten

  • Argumentationsbausteine für umfangreichere gesellschaftliche Teilhabe.
  • Konkrete Beratungsangebote für Kommunen, Ministerien, Ämter und Parteien.
  • Aufbau einer Kompetenzstelle Partizipation als Ansprechpartner für recherchierende Medienvertreter inkl. des Angebots medial verwertbarer Informationen, Zusammenfassungen und Darstellungen.
  • Lobbyarbeit für gute Partizipation, d.h. Überzeugungsarbeit bei politischen Entscheidern für ein Bundesbeteiligungsgesetz (BBG) inkl. der Etablierung entsprechender Strukturen und Institutionen (z. B. Bundesbeauftragter für Beteiligung, Bundesamt für Beteiligung, Bundesbeteiligungsbericht).
    Darlegung geeigneter Beteiligungsstrukturen und -prozesse für unterschiedliche Anforderungen.
  • Entwicklung von idealtypischen Prozessen konstruktiver Beteiligung.
  • Angebot von Fortbildungsveranstaltungen und Werkstattgesprächen.
  • Entwicklung von Konzepten für partizipative Kommunalverwaltungen.
  • Hilfestellung für Anbieter bei der Aktivierung konkreter Zielgruppen.

Evaluation

Mehr Partizipation ist auf Dauer nur durchsetzbar, wenn die Erfahrungen der Entscheider und Beteiligten überwiegend positiv sind.

Dazu ist es notwendig, dass Beteiligung qualitativ hochwertig geplant, durchgeführt und ausgewertet wird.

Hierzu gehören u. a. folgende Angebote des Instituts, die ggf. mit Partnern umgesetzt werden:

  • Entwicklung von Kriterien und Formaten zur wirkungsorientierten Evaluation von Beteiligungsprozessen.
  • Etablierung eines Qualitätslabels für gutes Partizipationsdesign.
  • Evaluation von Beteiligungsverfahren sowie einzelner Methoden und Formate.
  • Entwicklung von Kriterien zur Erkennung von Scheinbeteiligung.
  • Erarbeitung von Kriterien für gelingende E-Partizipation.

Verhältnis zu Akteuren der Partizipation

  • Bürger: Aufgabe des Berlin Instituts für Partizipation ist es, Partizipation in allen gesellschaftlichen Bereichen zu fordern und zu fördern. Dazu stellt das Institut Informationen über Beteiligungsangebote und gelungene Beteiligungsprozesse zur Verfügung. Es publiziert niederschwellige und allgemeinverständliche Informationen auch für bestimmte Zielgruppen mit erschwertem Partizipationszugang (z. B. junge Menschen, Senioren, Migranten). Zudem ist es Ansprechpartner für Beteiligte bei Fragen, Informationsbedarf und Kritik bzw. Konflikten in Beteiligungsverfahren. Das Institut versteht sich ausdrücklich auch als Serviceeinrichtung für Bürger, die Initiative für mehr Partizipation in ihrem konkreten Umfeld ergreifen wollen.
  • Politische Entscheider: Als advokativer Thinktank bemüht sich das Berlin Institut für Partizipation in besonderem Maße darum, das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung der repräsentativen Demokratie durch robuste partizipative Strukturen zu fördern und macht dazu konkrete Vorschläge für Initiativen, Gesetze und institutionelle Reformen.
  • Wissenschaft: Das Berlin Institut für Partizipation arbeitet nicht in Konkurrenz zu den (bislang noch überschaubaren) Hochschulstrukturen. Es betreibt zwar eigene, insbesondere anwendungsorientierte und evaluative Forschung, sieht seine Hauptaufgabe jedoch darin, grundlegende und aktuelle Forschungsergebnisse in den politischen Prozess zu transportieren und so zu mehr, umfangreicherer und besserer Partizipation in der Gesellschaft beizutragen.
  • Öffentliche Träger: Das Berlin Institut für Partizipation berät und unterstützt öffentliche Institutionen als Beteiliger insbesondere bei der Konzeption, Planung und grundsätzlichen Entscheidungsfindung sowie der Auswahl geeigneter Prozesse, Strukturen und Maßnahmen. Es stellt öffentlichen Beteiligern Informationen, Evaluations- und Forschungsergebnisse zur Verfügung.
  • Verbände: Deutschland hat eine umfangreiche und differenzierte Verbandskultur. Im Bereich der Stakeholderbeteiligung ist unser politisches System im internationalen Vergleich weit fortgeschritten. Das Berlin Institut für Partizipation versteht sich als Partner der Stakeholder, die mehr und wirkungsvollere Partizipation einfordern und nutzen wollen. Es berät insbesondere bei Fragen effizienter Wahrnehmung von Partizipationsmöglichkeiten, aber auch bei der Entwicklung eigener, interner Beteiligungsstrukturen.
  • Unternehmen: Mitentscheidend für die demokratische Kultur einer Gesellschaft ist auch die Frage, wie es um Partizipation in deren Arbeitswelt bestellt ist. Das Berlin Institut für Partizipation will deshalb bei Entscheidern in der Wirtschaft dafür werben, sowohl nach außen (Kunden, Anlieger, Zulieferer) als auch nach innen (Beschäftigte) partizipative Angebote zu machen. Gerade im Rahmen der Herausforderungen durch eine zunehmend digitalisierte und globalisierte Arbeitswelt ist eine partizipative Unternehmenskultur ein wichtiges Erfolgskriterium auch im Ringen um besonders qualifizierte und engagierte Mitarbeiter.
  • Beteiligungs-Dienstleister: Das Berlin Institut für Partizipation begrüßt und fördert die Entwicklung einer vielfältigen und kompetenten Dienstleistungsbranche für gelingende Partizipation. Das Institut wird sich ausdrücklich nicht selbst im Bereich der Dienstleistung (z. B. Veranstaltungsmanagement) engagieren, sondern bei Anfragen auf geeignete Dienstleister verweisen. Es entwickelt im Dialog mit Anbietern und Auftraggebern unabhängige und standartisierte Qualitäts-, Auswahl- und Evaluationskriterien.

Arbeitsweise und Struktur

Das Berlin Institut für Partizipation arbeitet gemeinnützig und nicht kommerziell. Es sieht haupt- und ehrenamtliches Engagement als gleichwertig an und integriert es in eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Grundsätzlich steht eine Mitarbeit allen Interessierten offen, die die Ziele des Instituts teilen.

Geschäftsstelle / headquarter

Die hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle mit Sitz im Haus der Demokratie in Berlin koordiniert die Referate, Projekte und Veranstaltungen. Geleitet wird die Geschäftsstelle von einem Direktorat.

Im Kontext der Verschränkung von haupt- und ehrenamtlichem Engagement bietet die Geschäftsstelle einen dauerhaft, zu den üblichen Geschäftszeiten geöffneten „Partizipativen Workspace“, dessen Ressourcen (Internet, Besprechungsraum, Arbeitsplätze, Computer) ehrenamtlich im Institut engagierte Menschen kostenfrei nutzen können.

Referate / divisons

Das Berlin Institut für Partizipation ist in Referaten organisiert, die jeweils hauptamtlich betreut werden. Aktuell sind dies die Referate Information, Konsultation und Evaluation.

Maßnahmen, Vorhaben und Projekte der Referate werden im Rahmen eines jeweils eigenen Lenkungskreises entwickelt, dem neben Direktorat und Referatsleiter beliebig viele ehrenamtlich Engagierte angehören können.

Die Berufung in den Lenkungskreis erfolgt auf der Grundlage von Interessensbekundungen durch das Direktorat.

Assoziierte Mitglieder / associate members

Interessierte, die sich nicht dauerhaft in einem Lenkungskreis, sondern punktuell in einzelnen Projekten einbringen wollen, sind dazu herzlich eingeladen. Einladungen hierfür werden auf der Webseite des Instituts sowie im Rundbrief veröffentlicht.

Beirat / advisory board

Das Berlin Institut für Partizipation gibt sich einen unabhängigen Beirat, in den durch das Direktorat Persönlichkeiten aus Forschung, Politik und Gesellschaft berufen werden können.
Der Beirat diskutiert und kommentiert Vorhaben und Berichte des Instituts. Er kann Vorschläge für Vorhaben, Projekte und Aktivitäten machen.
Der Beirat soll insbesondere die fachliche Qualität und den gesellschaftlichen Bezug der Institutstätigkeit im Fokus haben.

Fördermitglieder

Fördermitglieder des Berlin Instituts für Partizipation können natürliche und juristische Personen sein, die die Arbeit und die Ziele des Instituts unterstützen.

Die Mitgliedschaft ist keine zwingende Voraussetzung für eine aktive Mitarbeit, wird aber gerne gesehen.

Der monatliche Mindestbeitrag beträgt 5,- Euro für natürliche Personen, 50,- Euro für juristische Personen. Fördermitglieder erhalten alle Publikationen des Berlin Instituts für Partizipation kostenlos bzw. stark rabattiert.

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