ThinkTank für Partizipation: Reaktionen

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Präsident des Club of Rome

Ein Think-Tank für Bürgerbeteiligung wäre eine feine Sache. Bisher gibt's bloß Gruppen wie Campact für Bürgerproteste. Aber die Bürgerbeteiligung soll sich nicht auf Proteste beschränken!

Prof. Dr. Mojib Latif
Prof. Dr. Mojib Latif
Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Klima Konsortiums e.v.

Brauchen wir einen Think-Tank für Bürgerbeteiligung? Ich denke, ja! Wir leben in einer Zeit sehr schneller Veränderungen, seien sie politischer, wirtschaftlicher, sozialer oder kultureller Natur oder die Umwelt betreffend. Darüber hinaus ist die Welt heute in vielerlei Hinsicht global vernetzt.

Sascha Boettcher
Sascha Boettcher
Mediator, Rechtsanwalt und systemischer Berater

Genau das brauchen wir; einen unabhängigen Think-Tank. Wollen wir gesellschaftliche Beteiligung oder nur Akzeptanzbeschaffung? Zunächst müsste sich nämlich das interessierte Fachpublikum darüber einig sein, wie Beteiligung, gerade bei gesellschaftlichen Großprojekten wie einer Energiewende, aussehen kann, um kreativ wirken zu können.

Mich überzeugt diese Idee sofort. Von einem Beteiligungs-Think Tank erwarte ich mir befreiende Beiträge zur Öffnung und Weiterentwicklung unserer Gesellschaft, die die anstehenden komplexen Herausforderungen nur meistern wird, wenn wir unsere Wissen gescheit zusammenfügen.

Reinhold Messner
Reinhold Messner
Bergsteiger, ehm. MdEP

Ja, es ist eine Lösung, um mehr Basis (als kritische Masse) in die Stellvertreterdemokratie zu kriegen. Eines unserer Probleme ist ja die Parteiendemokratie, die die Basis meist übergeht. Der Wähler orientiert sich an Listen, die von Parteien vorgegeben werden. Ein oder mehrere Think-Tanks wäre hilfreich.

Martina Stienemann
Martina Stienemann

Wir brauchen dringend konsequente Strukturen, Instrumente und Rahmenbedingungen, konkrete Leitlinien für Bürgerbeteiligung, die Kommunen und Engagierte dabei unterstützen. ePartizipation ist ein Instrument, aber auch nur dann, wenn in den Verwaltungen die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist.

Stefan Löchtefeld
Stefan Löchtefeld
Mitarbeiter bei e-fect dialog evaluation consulting eG

Aus meiner Sicht entscheidend für die weitere Entwicklung der Partizipation wird sein, dass wir nachweisen können, dass Partizipation auch gesellschaftliche Wirkungen entfaltet.

Michael Müller
Michael Müller
Bundesvorsitzender der Naturfreunde e.V., ehem. Parlamentarischer Staatssekretär

Eine erfolgreiche Politik fördert die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich schon in der Planungsphase großer Projekte zu engagieren und dadurch schon im Prozess der Entscheidungsfindung unterschiedliche Sichtweisen und damit unterschiedliche Optionen zuzulassen.

Ich begrüße die Idee eines Think Tanks sehr, sofern dieser Partizipation über die Grenzen der bisherigen Beteiligungspraxis hinaus denkt und sich auch damit beschäftigt, wie mehr Teilhabe in allen Lebensbereichen, auch in der Arbeitswelt, entwickelt werden kann.

Michael Golze
Michael Golze
Wirtschaftsinformatiker, Agiles Projektmanagement

Wenn Partizipation erfolgreich sein soll, müssen wir auch das Projektmanagement dahinter neu denken. Klassische Ansätze mit starren Prozessen und intransparenten Strukturen hemmen Partizipationsprozesse. Ein Think-Tank könnte sich mit neuen Formen partizipativen Projektmanagements auseinandersetzen und der Frage nach selbstlernenden Prozessen mit dem Ziel das Ergebnis von Partizipation inkrementell zu verbessern.

Bernd Marticke
Bernd Marticke
Politikwissenschaftler, Leiter Partizipationsforschung der Deutschen Umweltstiftung

Beteiligung kann ein wertvolles Tool der Konfliktbearbeitung und zur Erarbeitung von Lösungsalternativen bei komplexen Problemlagen sein.

Hans Leo Bader
Hans Leo Bader
Geschäftsführer des Wirtschaftsrates der Deutschen Umweltstiftung

Eine Institution, die Partizipation von Anfang an partizipativ und transparent (Open Source) entwickelt, hat die Chance, eine allgemein anerkannte Unabhängigkeit und damit Vertrauen zu generieren.

Susanne Possinger
Susanne Possinger
Studentin

Um die heutigen gesellschaftlichen Herausforderungen wie soziale Ungleichheit und politische Instabilität angehen zu können, kann der Bottom-up Ansatz eine hilfreiche Herangehensweise darstellen. Zur Findung alternativer Lösungsmöglichkeiten, bei denen verstärkte Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger sicher eine große Rolle spielen können, ist ein Think-Tank für Partizipation eine spannende Option.

In einem Thinktank, der als unabhängige Koordinierungsstelle eine langfristig angelegte Beschäftigung mit Theorie und Praxis der Bürgerbeteiligung gewährleistet, sehe ich einen neuen Akteur, der der öffentlichen Diskussion um mehr politische Partizipation zusätzlichen Auftrieb verleihen kann.

Andreas Antic
Andreas Antic
Doktorand an der Universität Potsdam im Bereich politische Philosophie

Als zentrale Aufgabe einer Denkfabrik für Partizipation sehe ich die aktive Unterstützung und Förderung der individuellen und gesellschaftlichen Lernprozesse.

Ich unterstütze Herrn Sommers Vorschlag und denke, dass ein solcher Think Tank seine Themen nicht unterschätzen kann. Es geht um nicht weniger als die Auseinandersetzung mit den großen gesellschaftlichen Trends, welche die Demokratie herausfordern. Ich denke darüber nach, ob wir einen “Design Award” für Demokratie und Partizipation brauchen.

Ulrich Martin Drescher
Ulrich Martin Drescher
Dialogbegleiter und Organisationsberater

Nachgedacht über Partizipation wurde bzw. wird schon (zu) viel - jetzt kommt es darauf an, Beteiligungs-Möglichkeiten gesellschaftlich aktiv anzubieten.

Dr. Ute Scheub
Dr. Ute Scheub
Freie Journalistin und Autorin

Einen Thinktank für Partizipation halte ich für eine supergute Idee. Der junge Autor Sascha Rohr schlug vor Jahren in seinem noch erhältlichen Büchlein "In unserer Macht" Ähnliches vor: eine Bundeswerkstatt als vierte (oder fünfte) Gewalt.

Ilona Koglin
Ilona Koglin
Journalistin und Projekt Facilitatorin

Seit Jahren beschäftige ich mich als Dragon Dreaming Facilitatorin ganz praktisch mit der Frage, wie sich Menschen selbst organisieren und in Gemeinschaft Projekte entwickeln und erfolgreich umsetzen können. Den Think Tank halte ich daher für eine großartige Chance für uns alle, um Erfahrungen und Kenntnisse zusammenzubringen und gemeinsam neue Wege zu beschreiten.

Ute Vogt
Ute Vogt
Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion

Richtig und wichtig das Thema Partizipation wieder neu zu beleben! Gerade jetzt, wo viele aus Angst vor rechtspopulistischen Tendenzen den falschen Schluss ziehen, dass mehr Beteiligung vor allem Gefahren für die Demokratie mit sich bringen würde.

Walter F. Leyh
Walter F. Leyh
Aktivist für Teilhabe und Inklusion in der SPD

Eine sehr gute Idee um einer partizipativen Gesellschaft näher zu kommen. Ein Grundsatz ist: ALLE mitzunehmen und ernst zu nehmen.

Claudia Alpiger
Claudia Alpiger
Doktorandin der Universität Bern (CH)

Durch meine Beschäftigung mit dem Beteiligungsverfahren bei der Standortsuche nach einem Tiefenlager für radioaktive Abfälle in der Schweiz habe ich gemerkt, dass die unkonventionelle politische Beteiligung immer wichtiger wird und diese daher gefördert werden sollte.

Michael Mayer
Michael Mayer
Dipl. Verwaltungswirt (FH)

Ein übergeordnetes Prinzip gibt es nach meiner Überzeugung für jede ehrliche und ernstgemeinte Form der Beteiligung: "Zuwendung, Respekt und Anerkennung" sind nicht zu ersetzen. Eines finde ich neben der Suche nach grundlegenden Erkenntnissen, verborgenen Zusammenhängen und der Ableitung von Handlungsempfehlungen noch ganz wichtig: Think Tank hin oder her, die Aufgabe ist auch von Anfang an die Publikationen des Selbigen so zu gestalten, dass alle partizipieren können, nein, ich formuliere es noch schärfer, dass möglichst viele nichts davon verpassen wollen.

Ilona Jerger
Ilona Jerger
Journalistin, Autorin, Politologin

Jetzt, da uns bewusst wird, dass auch bei uns Demokratie kein Selbstläufer ist und wir sie stärken müssen, ist ein Nachdenken über Bürgerbeteiligung von hoher Relevanz. Auch als Beitrag zur Eliten-Debatte: „die da oben/wir da unten“.

Thomas Friemel
Thomas Friemel
Geschäftsführer von KOMBÜSE Kommunikationsbüro für Social Entrepreneurship

Es muss einen Ort geben, an dem Demokratie wieder erlebbar ist. Es muss den Kern einer Bewegung geben, durch die Zivilgesellschaft zum Mit-Akteur und Mit-Gestalter einer lebenswerten Zukunft wird. Insofern: Think Tank Partizipation? Machen!