10 Tipps für die Auswahl einer Beteiligungsmethode

Foto: Lovis Sand via Flickr Lizenz: CC BY NC 2.0

1. Der Anlass bestimmt die Methode

Es gibt nicht die ,,richtige” Beteiligungsmethode. Ein World Café hat genauso seine Daseinsberechtigung wie ein Round Table oder ein Bürgerhaushalt. Als Organisator eines Beteiligungsverfahrens müssen Sie daher umfangreiche informative Vorarbeit leisten und sich bspw. über die Sozialstruktur der (voraussichtlich) Betroffenen informieren und eine möglichst umfassende  Kenntnis von Partizipationstools besitzen (siehe auch Punkt 2) und sich vor allem sehr genau überlegen, wen Sie wozu beteiligen wollen. Der Bblog bietet hier eine umfangreiche Methodendatenbank.

2. Die Stärken und Schwächen der Verfahren kennen

Wenn Sie die passende Methode für ihr Problem finden möchten, müssen Sie wissen, was ein Verfahren leisten kann und wo es Schwächen hat. Unsere Datenbank bietet Ihnen eine Vielzahl von Informationen zu den einzelnen Methoden. Beachten Sie exemplarisch die Kategorie „Funktion des Instruments” in unserer Merthodendatenbank: Möchten Sie Beteiligung praktizieren, um Informationen zu gewinnen, so wie es der Berliner Senat handhabt, um die Wünsche der Anwohnerinnen und Anwohner von Kiezen besser in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Oder suchen Sie ein Verfahren, das den Bürgern aktiv gestaltende Kompetenzen – somit Mitbestimmung – ermöglicht, wie es bspw. mit dem Bürgerhaushalt in Berlin-Lichtenberg angestrebt wird?

3. Kostenloses Expertenwissen und Informationsplattformen nutzen

Es gibt eine Fülle an Off- und Online-Informationsangeboten von Beteiligungspraktikern bzw. Akteuren, wie dem Bblog, die sich mit Bürgerbeteiligung befassen und kostenlos Informationen bereitstellen. Neben der intensiven Betrachtung des Bblogs lohnt daher auch ein Blick in sein Branchenverzeichnis. Es enthält eine Vielzahl an Akteuren, mit denen der BBlog kooperiert und von denen einige ausgewiesene Experten in der Beteiligungspraxis sind. Zu den meisten Methoden gibt es außerdem mittels bekannter Suchmaschinen Beispiele und Erfahrungsberichte. Nehmen Sie sie zur Kenntnis: Je mehr Vorabinformationen Sie generieren können, umso größer ist die Aussicht, ein erfolgreiches Beteiligungsformat zu implementieren.

4. Potentielle Teilnehmerzahl richtig einschätzen

Eine grobe Vorstellung von der minimalen bzw. maximalen Teilnehmerzahl ist essentiell. Jedes Verfahren braucht Teilnehmer, jedoch können einige bereits mit wenigen Partizipanten erfolgreich durchgeführt werden, während andere gerade für eine große Anzahl an Teilnehmenden konzipiert sind. Nutzen Sie gegebenenfalls die Möglichkeit (un-)verbindlicher Anmeldungen. Beachten Sie dabei allerdings, dass das Medium, dass sie zur Anmeldung verwenden selektiv wirken kann (siehe dazu Punkt 5).

5. Die Sozialstruktur der Adressaten beachten

Nicht jedes Beteiligungsformat ist unabhängig von Einkommen, Geschlecht oder Alter. So begeistert eine Bürgerausstellung vielleicht weniger Jugendliche, die jedoch bei einem Onlineformat gegenüber Senioren überrepräsentiert sein können. Das kann auch bedeuten, dass Sie bei entsprechender Problemlage nicht nur einen Kommunikations- bzw. Partizipationskanal implementieren sollten, sondern mehrere. Der Beitrag von Widar Wendt zeigt außerdem, dass in einem größeren zeitlichen Kontext niemals ein für alle Zeit herrschendes Informationsmedium bestand und ein Wechselspiel zwischen Informations- bzw. Kommunikationsform und gesellschaftlicher Struktur besteht. Zudem bietet er eine anschauliche Darstellung der Probleme und Herausforderungen, die im Rahmen eines Onlineforums auftreten.

6. Ohne Moos ist nicht immer was los

Das betrifft sowohl die Kosten pro Kopf als auch die absoluten Ausgaben für ein Veranstaltungsformat. Während ein Stadtspaziergang oft nur wenige Euro pro Person kostet, fallen in einer Zukunftskonferenz für jeden Teilnehmer schnell über 100 Euro an. Kalkulieren Sie vorab die Kosten, im Zweifel gilt: Lieber eine günstige und gut gemachte Beteiligung mit Stift und Flipchart, anstatt einer kostenintensiven Umsetzung, die Sie wegen unzureichender finanzieller Ausstattung vorzeitig abbrechen müssen.

7. Material- und Vorbereitungsaufwand richtig einschätzen

Einige Formate kommen mit wenig Vorbereitungen aus und können an vielen Orten abgehalten werden. Größere Formate brauchen entsprechende Lokalitäten wie Sporthallen etc., wenn sie nicht unter freiem Himmel stattfinden sollen. Zudem braucht es bspw. bei einer Open-Space-Konferenz lediglich Sitzgelegenheiten, während ein 21st Century Town Meeting technisches Equipment benötigt. Hier ist es wichtig, alles vor dem Start gut durchzuplanen. Nichts ist unangenehmer als den Teilnehmern mitteilen zu müssen, dass das Verfahren abgebrochen werden muss, weil Materialien fehlen.

8. Eine einmalige Sache oder eine wiederkehrende Veranstaltung

Logistisch und finanziell macht es einen Unterschied, ob ein Verfahren nur wenige Stunden dauert oder die Beteiligten sich im Rahmen des Verfahrens über mehrere Tage hinweg miteinander austauschen; ein Bürgerpanel dauert sogar mehrere Jahre. Beachten Sie außerdem, dass weite Anfahrtswege und -kosten sowie fehlende Übernachtungsmöglichkeiten als Ausschlusskriterien der Teilnahme wirken können. Hier muss überlegt werden, ob über eine Kompensierung des Verdienstausfalls und Fahrtkostenerstattungen eventuell mehr Menschen die Teilnahme ermöglicht werden kann. Gleichermaßen wird der Veranstaltungszeitpunkt Einfluss auf die Partizipantenstruktur nehmen: Sie werden bei einer einmaligen Veranstaltung zwangsläufig mit einer Versammlung innerhalb der Kernarbeitszeit eine andere Gruppenzusammensetzung generieren, als bei einem Konversationscafé am Samstagabend in einem örtlichen Szenetreff.

9. Manchmal braucht es Hilfe

Einige Verfahren bedürfen zu ihrer erfolgreichen Durchführung professioneller Hilfe von Moderatoren oder Mediationen. Das bedeutet zunächst höhere Kosten, kann sich jedoch lohnen, wenn dadurch die Lösung verbessert wird. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen sich mehrere Konfliktparteien bereits unvereinbar gegenüberstehen – oft da die eine Seite zu spät und unzureichend die Auswirkungen auf Dritte antizipiert, die ihrerseits ihre Überraschung und vehementen ad-hoc Protesten artikulieren. An einem anschaulichen Fallbeispiel eines derartigen eskalierten Konflikts, zeigt der erfahrene Dialoggestalter Dr. Claus, wie unter Zuhilfenahme eines Mediators erfolgreich Streitdeeskalation gelingt.

10. Der Moderationsaufwand schwankt

Ungeachtet der Frage, ob man sich professioneller Hilfe bedient oder nicht, hängt der Aufwand des Veranstaltungsleiters erheblich vom gewählten Verfahren ab. Zudem ist bei Großformaten wie dem World Café ein Veranstaltungsteam notwendig. Hier gilt es ebenfalls, bereits langfristig zu planen und sich im Vorfeld intensiv zu informieren.