Jugend für Partizipation begeistern

Ist Deutschlands Jugend politikverdrossen und partizipationsunwillig? Und wenn ja: Wie ließe sich das ändern? Eine neues Handbuch für Jugendbeteiligung bietet dazu Methoden und Hintergrundwissen an.

Foto: Bundesjugendring via flickr.com, Lizenz: CC BY NC 2.0

Die gegenwärtige Situation der Demokratiekompetenz von Jugendlichen und Kindern sieht laut einer Umfrage des Kinderreports 2017 des Deutschen Kinderhilfswerks eher unerfreulich aus. Zwar sei das Interesse an politischer Partizipation seit dem Tiefstand 2002 wieder leicht angestiegen. Es reiche jedoch längst nicht an die Höchststände der 1980er- und den Anfang der 1990er-Jahre heran. Zu einem leichten Anstieg kam es jedoch vor allem, so die Studie, aufgrund der zunehmenden Individualisierung unserer Gesellschaft sowie des rasanten technologischen und sozialen Wandels. Trotzdem sprechen einschlägige Medien und Berichte, wie die Studie “Generation What?” häufig davon, dass die heutige Jugend eine besonders unpolitische und politikverdrossene sei. Vor allem die jüngeren Befragten des Kinderreports trauen ihrer eigenen und nachkommenden Generation keine wirkliche Partizipationsbereitschaft zu.

Unzugängliche Demokratie fördert Politikverdrossenheit

Obwohl die Mehrheit der Befragten darin übereinstimmt, dass es Eltern obliegt, für die Demokratiekompetenz der Kinder zu sorgen, zweifelt etwa ein Drittel der Studienteilnehmer an der Demokratiefähigkeit der nachfolgenden Generation. Wie bereits erwähnt, sind dabei anscheinend besonders die jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren skeptisch gegenüber der eigenen Demokratiefähigkeit. Nach Gründen für diese Annahme wurde nicht gefragt. Das Deutsche Kinderhilfswerk, welches die Studie in Auftrag gegeben hat, gibt jedoch an, dass es insbesondere jungen Menschen schwer falle, an Partizipation und Demokratie zu glauben, wenn politische Mitbestimmung und Debattenteilhabe so unzugänglich und unattraktiv sei, wie es gegenwärtig der Fall ist.

Praxishinweise für gelingende Jugendbeteiligung

Da passt es gut, dass der Landesjugendring Niedersachsen e.V. kürzlich ein Handbuch zu Rahmenbedingungen gelingender Jugendbeteiligung herausgegeben hat. Es trägt den Titel “Juleica Praxisbuch B – Beteiligung in der Jugendarbeit” und beinhaltet wertvolle Ratschläge insbesondere für Jugendleiter und andere Mitarbeiter der Jugendarbeit. Es baut auf das erste Handbuch “Juleica-Handbuch für Jugendleiter-innen” auf, welches 2003 erschien.

Das Handbuch ist so konzipiert, dass es kapitelweise eine kurze Theorieübersicht und thematische Einführung mit unterschiedlichen Methoden und Ideen zur anwendungsorientierten Umsetzung verbindet. Dabei wird sowohl eine präzise Methodenanleitung geboten als auch auf mögliche Grenzen und Hindernisse, die bei Jugendbeteiligungsverfahren auftreten können, eingegangen.

Aufbau des Handbuches

Das Buch ist in acht Kapitel gegliedert und widmet sich unterschiedlichen Dimensionen der Jugendbeteiligung. Einführend bekommt der Leser eine kurze Bedienungsanleitung an die Hand, die Hinweise zur Nutzung und Gestaltung des Buches bereithält. Das Handbuch bietet sodann anwendungsorientierte Anleitungen sowie Tipps zur Beschaffung von Material und Arbeitshilfen. Ergänzend wird auf weiterführende Literatur verwiesen und zahlreiche Praxisbeispiele mit Querverweisen auf andere passende Buchpassagen runden die gelungene Gestaltung des Buchs ab.

Besonders interessant sind beispielsweise die Kapitel zu Voraussetzungen für Beteiligung, zu Verbänden als Orte der Mitbestimmung, zur richtigen Kampagnenarbeit sowie zu langfristigen und nachhaltigen Beteiligungsverfahren. Dieses mit knapp 100 Seiten umfangreiche aber übersichtliche und gut strukturierte Handbuch ist für Berufspraktiker, Interessierte und Laien, die ‘politikverdrossene’ Jugendliche zu mehr politischer Beteiligung bewegen wollen, gleichermaßen geeignet.