Dragon Dreaming

Partizipationsmethode Foto: vgm8383 via Flickr.com, Lizenz: CC BY-NC 2.0

Dragon Dreaming ist darauf ausgerichtet, Projektideen gemeinschaftlich in die Tat umzusetzen. Der individuelle Traum des Initiators soll durch einen regen Diskurs zum Traum aller Beteiligten werden und zu einer besseren Gesellschaft beitragen. Das Wirken der kollektiven Intelligenz, nicht nur bezüglich der kognitiven, sondern auch intuitiven Fähigkeiten des Menschen, ist die Grundannahme von Dragon Dreaming. Erfunden wurde das Konzept von dem Australier John Croft und dessen Frau Vivienne H. Elanta. Es verbindet sowohl Kulturelemente der Aborigines als auch Ideen der System-, Chaos- und Komplexitätstheorie.

Drei Grundpfeiler tragen die Philosophie des Dragon Dreaming:

  1. Personal Growth: Es geht darum, sich selbst und alle, die am Projekt beteiligt sind, zu fördern. Offenheit und die Bereitschaft, stetig dazuzulernen, sind ein Muss.
  2. Community Building: Gemeinsam träumen und arbeiten soll nicht nur die Gruppe eng zusammenschweißen, sondern auch Nähe zum unmittelbaren Umfeld ermöglichen. Respekt, Vertrauen und Wertschätzung prägen den Umgang miteinander. Jeder im Team ist dem anderen gleichgestellt.
  3. Service to the Earth: Das Projekt muss die Konsequenzen auf die Umwelt mitbedenken und darf dieser nicht schaden. Es gilt, nachhaltig einen positiven Unterschied zu machen.
Verfahrenskonzept

ja

Funktion

Mitbestimmung

Gruppengröße

Mittlere Gruppen 15-30 Personen; Kleingruppen < 15 Personen

Teilnehmer (Min)

2

Teilnehmer (Max)

30

Zielgruppe

Allgemeinheit

Vorbereitung

Ausgangspunkt eines Dragon Dreaming Verfahrens ist eine vage Zielvorstellung von einem wünschenswerten Zustand. Es beginnt beispielsweise mit der Idee eines Einzelnen, in der Nachbarschaft einen Spielplatz bauen zu wollen. Wenn sich dieser Gedanke verfestigt, schlägt das Dragon Dreaming vor, sich gleichgesinnte Unterstützer zu suchen. Am besten sind es möglichst unterschiedliche Charaktere, die alle verschiedene Qualitäten und Talente mitbringen, um dem Traum eine gute Ausgangsbasis zu verschaffen.

Ablauf

Dragon Dreaming ist grob in vier Phasen eingeteilt. Festgehalten wird alles auf einem großen Arbeitsbogen, der den Spielplan bzw. das Karrabirdt, was in der Sprache der Aborigines ‘Spinnennetz’ bedeutet, darstellt. Der Spielplan wird über die gesamte Dauer des Projektes im Auge behalten und aktualisiert. Er soll helfen, die Vision strukturiert in die Tat umzusetzen.

Die vier Phasen sind folgende:
  1. Träumen
    Am Anfang steht das intensive Auseinandersetzen in der Gruppe mit dem ursprünglichen Traum des einen, der zum Traum aller werden soll. Nachdem der Initiator seine Projektidee kurz vorgestellt hat, haben alle reihum die Möglichkeit, stichpunktartig den Traum zu ergänzen. Jeder stellt sich die Frage, was durch das Projekt erschaffen werden muss, damit man am Ende das Gefühl hat, man hätte seine Zeit nicht sinnvoller verbringen können. Es werden so lange Ideen gesammelt, bis niemand mehr etwas hinzuzufügen hat. Hier geht es um zwangloses Träumen und Assoziieren, nicht um Praktikabilität, Kosten oder ähnliches. Alles hat zunächst seine Berechtigung.
  2. Planen
    Um nun aus den ganzen Ideen den Kern des Projekts herauszufiltern, werden alle Stichpunkte vorgelesen und die für einen persönlich ein bei vier wichtigsten auf Klebezetteln notiert. Nacheinander bringen die Teilnehmenden ihre Zettelchen an einer Wand an, sodass sich thematische Zusammenhänge erkennen lassen. Danach bekommt jeder zwei Klebepunkte, die er auf maximal zwei Haftnotizen verteilen kann, um zu zeigen, was für ihn essentiell ist.
    Am Ende dieser Konkretisierung steht das Traummanifest, das dem Projekt seine Richtung gibt. Nun werden Strategien zur Umsetzung entworfen, mögliche Alternativen erörtert, erste Testläufe gestartet sowie ein grobes Budget des Ganzen angesetzt.
  3. Handeln
    Spätestens in diesem Schritt wird der Spielplan erschaffen. Er gibt nicht nur Aufschluss über den Traum (Startpunkt) sowie den angestrebten Ergebniszustand (Ziel), sondern benennt auch notwendige Arbeitsschritte und zeigt den gegenwärtigen Fortschritt an. In der dritten Phase geht es um die Umsetzung, das Managen und Administrieren des Projekts. Außerdem sollen mögliche Fortschritte überprüft werden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Aufgaben können fließend sein, weshalb auch keine starre Gruppenarbeit vorgesehen ist. Jeder engagiert sich möglichst dort, wo er am meisten Motivation verspürt oder glaubt, anderen helfen zu können.
  4. Feiern
    Die letzte Phase wird ebenfalls auf dem Spielplan festgehalten und darf keinesfalls zu kurz kommen. Hier geht es darum, die Ergebnisse des Einzelnen und der Gruppe zu nennen und zu würdigen. Im Mittelpunkt stehen Fragen, wie „Wer hat was durch einen Teamkollegen oder durch Eigenarbeit gelernt?” oder „Welcher persönliche Fortschritt hat sich eingestellt?”. Diese Fragen werden vor der eigentlichen Projektevaluierung geklärt. Bei dieser hilft das Traummanifest. Inwieweit konnte man den Traum verwirklichen und was lässt sich nun tun, um diesen mit seinem größeren Umfeld zu feiern?

Die genaue Anwendung der Dragon Dreaming Methode wird in diversen Workshops vermittelt. Das folgende Video visualisiert die obigen Ausführungen und lässt den Erfinder der Methode John Croft zu Wort kommen:

 

Material
  • Räumlichkeiten: Einen großen Raum, in dem alle genug Platz haben und möglichst im Kreis gesessen werden kann.
  • Bestuhlung und Tische, wobei auch mit Kissen am Boden gearbeitet werden kann.
  • Arbeitsutensilien im Raum (Stifte, Papier, Klebezettel, Klebepunkte, Flipchart bzw. ein ähnlich größer Papierbogen und ggf. Material zum Verzieren des Karrabirdt).
  • Internetfähige Geräte zur Informationsrecherche und ggf. ein Telefon.
Tipps und Anregungen

Bei der erstmaligen Anwendung des Verfahrens empfiehlt sich die Teilnahme an einem Dragon Dreaming Workshop, um seiner Traumverwirklichung eine erfolgsversprechende Basis zu verleihen. Angebote finden Sie hier.

Zudem gibt es ein kostenloses E-book als PDF-Datei zum Download, das die Philosophie hinter Dragon Dreaming und die einzelnen Schritte näher erläutert. Dieses ist jedoch leider nur auf Englisch erhältlich. Eine deutschsprachige Variante finden Sie aber hier.

Dauer

je nach Projekt zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten

Kosten pro Teilnehmer

> 10 €

Anforderung an Moderation

hoch

Professionelle Moderation

erforderlich

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*